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Vorbemerkung: Zur Sicherheit sind alle Namen, wenn welche im Text vorkommen, abgeändert

Dies ist die lange, sehr detailreiche Version meines Rundbriefs. Wer nicht ganz so viel lesen möchte, kann ab Samstag hier vorbeischauen.

Tag 49

Bevor ich so richtig anfange, dachte ich mir, es wäre Mal wichtig zu erklären, wo ich bin. Fangen wir also mal mit dem Offensichtlichen an.


Thailand auf der Weltkarte

Ich lebe im nördlichen Teil des Königreichs Thailand. Thailand liegt in Südostasien am südchinesischen Meer. Zu Thailands Nachbarn zählen Myanmar im Nordwesten, Laos im Nordosten, Kambodscha im Südosten, und Malaysia im Süden. Die Hauptstadt, Bangkok, liegt von dort aus, wo ich bin, etwa 700 km entfernt im Süden. Bezahlt wird hier in Baht (pro 1€ erhält man hier etwa 30฿, THB).

Wer in Chiang Mai etwas zu essen haben möchte, kann damit rechnen, für 100฿ ein Essen mit Getränken bekommen. Für einen Nachtisch wird man aber doch nochmal drauflegen müssen.

Die Stadt, in der ich lebe, heißt Chiang Mai. Wobei die Stadt selbst doch noch ein Stückchen entfernt ist. Genauer lebe ich in einem Mu Ban. Mu Bans sind abgeschlossene Wohnsiedlungen, die nur durch Schranken oder per Fallschirm zugänglich sind. Zu Hause bin ich im Schülerwohnheim „Mountain View“. Direkt von meinem Zimmer aus kann ich sogar das deutsche Dorm „Haus Benaja“ sehen. Wobei schweizer Dorm besser passen würde, denn von den 13 Bewohnern sind 11 aus der Schweiz…


Das ist ein gelbes Songthaew. Sowas wie das öffentliche Verkehrsmittel.

Eine Randbemerkung zu Chiang Mai: Ich habe als einziger „Assistent“ ein Auto zur Verfügung gestellt bekommen, aber wenn man das nicht nutzen möchte und dennoch in die 10km entfernte Stadt zu fahren gedenkt, gibt es eine Möglichkeit: ein Songthaew (ausgesprochen Songteo). Da es hier so etwas wie einen ÖPNV nicht gibt, muss und darf man hier auf die gelben Autos zurückgreifen. Diese fahren hier eine Straße (etwa 30km) immer hoch und runter. Man kann sich an den Straßenrand stellen, einfach einsteigen, dann irgendwo aussteigen und 15฿ zahlen, ganz egal, wie weit Du mitgefahren bist, und fertig. Eine nette Sache vor allem günstiger als „Grab“, sowas wie ein Taxi.


Ein Teil von Chiang Mai aus dem fünften Stock des Kad Suan Kaew, einer der größeren Malls hier

Wie mich schon einige darauf angesprochen haben: „In Thailand ist es doch richtig heiß, oder?“ Naja, das stimmt, aber nur bedingt. Hier in Südostasien gibt es 3 Jahreszeiten. Die „Regenzeit“ von Juni bis Oktober, in der die Temperaturen nur um die 30°C liegen, nur halt bei 100% Luftfeuchtigkeit, weil das Wetter vom Monsunregen beherrscht wird. Dann gibt es die „kalte Jahreszeit“ von November bis Februar, in der es „kühle“ 20-30°C ohne Regen sind. Und zum Schluss die „heiße Jahreszeit“ von März bis Mai, in der die Temperaturen auf 40° klettern, wieder ohne Regen.

Ich selbst bin offiziell als Student in Thailand. Ich besuche hier die Sprachschule um Thai zu lernen. Ein netter Zufall ist, dass hier über das Jahr auch Schüler der internationalen Schule wohnen. Ich hab mich bereit erklärt, hier und da im Haushalt und mit den Schülern zu helfen. (das ist die offizielle Version). Und jetzt, wie versprochen zu meinem Tagesablauf.

Dank meiner Verpeiltheit hab ich 30€ in Münzen mitgenommen, die man aber einfach nicht ungetauscht bekommt. Das sind umgerechnet 10 mal Essen gehen...

06:00 Uhr
Mein Wecker klingelt. Zuerst einmal auf Snooze schalten. Jeder Jugendliche wird mich verstehen… Aber irgendwann muss man dann doch aufstehen. Das erste, was man hier macht: es geht duschen. Geduscht wird hier übrigens mehrmals am Tag. 2-3 Mal sind am Tag durchaus üblich, denn das Wetter, vor allem in der Hitze- und Regenzeit, lässt anderes einfach nicht zu. Denn die Nacht war, wie jede andere hier, unerträglich. Man gewöhnt sich zwar daran, aber die morgendliche Dusche darf hier nicht fehlen. Dann anziehen, Zähne putzen, und auf gehts zur Morgenroutine.


Mein Zuhause:
Das Dorm Mountain View

Die Morgenroutine besteht daraus, die elektrischen Fliegenfänger auszuschalten, alle Türen werden aufgemacht, die Fans (Ventilatoren) müssen angeschaltet werden, die ersten beiden Waschmaschinen-Ladungen müssen gewaschen werden und das Frühstück muss gerichtet werden. Hier im Dorm gibt es üblicherweise ein Frühstück, ähnlich wie in Deutschland. Liegt vielleicht auch daran, dass die Dormeltern aus der Schweiz sind. Als nächstes muss die Katze noch aus ihrem Schuppen rausgelassen werden, und theoretisch mit dem Hund Gassi gegangen werden. … Wer mich kennt, kennt meine Abneigung dagegen. Ich bin einfach kein Tier-/Hundefreund. Umso glücklicher bin ich, dass diesen Part dann doch die Dormparents selbst übernehmen. Nach dem Frühstück kann noch ein bisschen irgendwas gemacht werden. Die meisten Schüler machen noch Hausaufgaben. Ich checke in der Zeit, ob es irgendwo noch Kleinigkeiten zu tun gibt. Dem ist meistens nicht der Fall.

Ich hab mich in der Zeit, in der ich hier in Thailand bin, schon mehr verletzt, als in den letzten 5 Jahren. Ich bin sogar schon in Glas gestanden. Es ist aber zum Glück nie schlimm gewesen.

Ich hab ja auch schon die Katze erwähnt. Wir haben hier im Dorm, genauso wie das deutsche, sowohl einen Hund als auch eine Katze. Der Hund ist mit 12 Jahren schon ein Methusalem, aber die Katze ist mit 15 Jahren einfach noch Mal weit älter. Und man sieht ihr das auch an. Und leider geht es ihr auch nicht mehr besonders gut. Seit ein paar Wochen isst sie kaum noch etwas und sie sieht wirklich abgemagert aus. Es geht ihr immer schlechter. Inzwischen bewegt sie sich gar nicht mehr vom Fleck. Sie hat sich einen Platz am Brunnen gesucht und liegt dort seitdem.

Anmerkung ein paar Tage später: Inzwischen hat sie es geschafft. Es ist traurig, aber in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist sie gestorben. Wir sind einfach froh, dass sie jetzt nicht mehr leiden muss. Ich hab kurz überlegt, ob ich die Katze aus dem Brief vielleicht rausnehmen soll, aber es gehört hier dazu…

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sà wàt dii khráp
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