Tag 162
Hallo liebe Brüder und Schwestern,
ich fand diese Art der Begrüßung schon immer seltsam. Sie kling so altbacken, unnatürlich und befremdlich. Also der perfekte Start für einen Rundbrief, oder? Mir wurde aber eine Sache in den letzten Wochen sehr wichtig. Wir sind alle Geschwister verbunden in Christuns (wieder so eine komische Ausdrucksweise). Und ihr als meine Gemeinde, meine Freunde und meine Familie seid für mich wie Familie. Und das lässt sich schön durch genau diese Begrüßung zeigen.
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Ich an Loy Krathong | Mein selbst gebasteltes Krathong | Eine der vielen fliegenden Lichter, die weltweit bekannt sind. |
Inzwischen ist auch bei uns die Weihnachtszeit auch schon vorbei, auch wenn die Temperaturen einfach nicht so richtig dazu passten. Dafür muss man sagen, dass der große Stress, der in den letzten Jahren immer in Deutschland aufkam, hier ebenfalls fehlt. Und das gefällt mir dann doch ganz gut. Mein erstes fast halbes Jahr ist nun um. Und da jetzt auch bei uns Ferien sind, nutze ich die Gunst der Stunde und möchte mich wieder bei euch melden.
Seit dem letzten Rundbrief ist gar nicht so viel geschehen, wie man meinen könnte. Tatsächlich ist das Leben hier inzwischen zum Alltag geworden. Wenn man nicht gerade isst oder schläft, dann arbeitet man oder macht Sachen für die Schule. Und so sah mein November ungefähr aus; mit einer Ausnahme:
Loy Krathong 2019
Ihr kennt es vielleicht als Lichterfest. Ich hatte dieses Jahr die große Ehre, das mit meinen eigenen Augen sehen und miterleben zu dürfen. Mit der Sprachschule haben wir sogar die sogenannten Krathongs (wörtlich etwa: schwimmender Korb) gebastelt.
Jetzt werden sich ein paar vielleicht fragen: "Was macht er da? Als Christ kann er sowas doch nicht machen!" Vor allem viele Thai-Christen haben damit ein Problem. Und ja, die Frage ist durchaus berechtigt. Loy Krathong ist eines der wichtigen Feste der buddhistischen Kultur. Der Hintergrund:
-- Mit den Lichtern soll den Geistern des Wassers gedankt werden und sie sollen für das kommende Jahr besänftigt werden. Wasser ist ein wichtiges und lebenswichtiges Gut und wird von den Geistern geschenkt. Ihnen wird dadurch Respekt gezollt. Und für die Menschen hier ist das ein wichtiges Ritual. --
Vor allem für viele Thai-Christen ist das deshalb ein No-Go. Warum also mach ich da dann mit?Ganz einfach:
Zuerst: Ich hab nur zugeschaut. Ich habe überlegt, mein Krathong ins Wasser zu lassen, hab es dann aber doch für eine Woche als Deko für mein Zimmer verwendet.
Ausschlaggebend: Loy Krathong ist (in gewisser Hinsicht) eine Art "Ernte"-Dank Fest. Und dieses Fest kennen wir als Christen. Und vielleicht geht es nur mir so, aber ich vergesse das oft. Wir haben in der westlichen Welt alles, was wir brauchen; und mehr. So viel, dass wir sogar mit dem Überkonsum ein Problem bekommen. Und wir vergessen, dass wir alles von Gott geschenkt bekommen und dass wir Gott für alles danken sollten.
Mit dieser Sichtweise kann Loy Krathong ein unglaublich cooles Fest sein. Ich persönlich würde nicht mit Thais zusammen in einer Gruppe teilnehmen. Doch als Christen unter Christen (und davon bin ich überzeugt) kann das ein geniales Fest sein. Wir müssen uns des Hintergrunds natürlich bewusst sein, müssen diesen aber nicht für uns wahrnehmen.
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Die namensgebenden Krathongs im Wasser | Wir, unsere Klasse mit einer unserer Leherinnen: Khruu Awe. | So sieht Loy Krathong aus. |